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Kaum ein inzwischen „globalerer Zustand“ erfasst mein eigenes Interesse als Lehrerin, Mutter und sicherlich „Aktivistin“, die für das Wohl von Kindern einsteht und arbeitet, so sehr, wie das weiterhin brandaktuelle Thema „Mobbing in Schulen“. Der folgende Artikel richtet sich primär an Eltern, aber auch an Lehrer, mit dem gezielten Appell „wachsam zu sein“ für das, was in der nahen Lebenswelt von Kindern tagtäglich passiert. Zudem mit der ebenso wichtigen Botschaft, bewusst und zeitnah zu agieren, wenn es die Situation des Kindes erfordert. Auch wenn es sich nicht um das eigene Kind handelt, aber trotzdem, z.B. durch Erzählungen am Abendbrottisch, das Wissen greifbar wird „in der Klasse meines Kindes passiert etwas“, sollte es eine zivilcouragierte und notwendige Entscheidung von Eltern sein „nicht einfach nichts zu tun“!

Liebe Eltern, Mobbing kann JEDES Kind treffen. Die traumatischen Auswirkungen eines Mobbing- Verlaufes (schlimmstenfalls ein Suizid des betroffenen Kindes) können fataler sein, als sich manch Leser nun ggf. überhaupt vorstellen kann. Dieser Artikel beschäftigt sich damit, was hinter dem alltäglichen Psychoterror in unzähligen Schulen steckt und wie Eltern, aber natürlich auch Lehrer (sie sind im Geschehen vor Ort!) erfolgreich gegensteuern können. Er ist zudem ein Appell an Eltern und Lehrer, zu handeln, wenn Handlung unumgänglich ist! Auch das Wissen „Mein eigenes Kind mobbt!“, ohne dann erzieherisch und konsequent in dieses Tatgeschehen einzugreifen, ist meines Erachtens eine unentschuldbare Form der Mittäterschaft von diesen Eltern.

Ein in der Schule erlebtes Martyrium kann sich bis ins Erwachsenenalter hinein negativ auswirken, wie vorliegende Untersuchungen deutlich bestätigen. Bindungsunfähigkeit, ein geringes Selbstwertgefühl, Ängste, Phobien und Zwänge, um nur 3 Teilbereiche zu nennen. Bereits sehr junge (Grundschul-)Kinder erlebe ich beruflich selbst – innerhalb ihrer teil- oder vollstationären Therapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Einrichtung – und in vielen Fällen ist „Zustand nach Mobbing“ ein zweifelsfreier, schwerwiegender Inhalt ihrer Anamnese.

Das Wort „Mobbing“ (engl. mob = Pöbel) wird im Alltag inzwischen derart inflationär genutzt, dass kaum noch jemand weiß, was es wirklich bedeutet. Ist es schon Mobbing, wenn Carla schlecht über Marlene spricht, weil sie zerstritten sind? Ist es Mobbing, wenn ein Junge einer übergewichtigen Mitschülerin, nennen wir sie Sarah, die Hose runterzieht? „Ach, bleibt mal auf dem Teppich!“, werden einige nun sagen. „Das sind doch die üblichen Zankereien, Eifersüchteleien oder unglücklichen „Verstrickungen“ von Kindern! Das hat es immer schon gegeben und wir sind schließlich auch groß geworden, ohne gleich Schaden dadurch zu nehmen!“, mögen manche nun denken.

Und nun bitte Gehör: „Wenn es ausschließlich Sarah ist, der immer wieder unter allgemeiner Belustigung aller daran Beteiligten die Hose runtergezogen wird, weil sie sich nicht wehren kann, dann ist das Mobbing! Und wenn Marlene wegen dauerhafter und gezielter Halbwahrheiten, Gerüchten und Geschichten bei ihren Mitschülern „unten durch ist“, und vor Kummer, Sorgen und Stress darüber nicht mehr lernen kann, dann ist das Mobbing! 

Mythos 1: „An unserer Schule wird ganz sicher nicht gemobbt!“ – FALSCH! Mobbing gehört zum heutigen Schüleralltag! Zahl der betroffenen Kinder pro Woche: 500.000 Kinder!

Die gängige Mobbing- Literatur spricht in diesem Kontext auch von Bullying (engl.: to bully = einschüchtern), „wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum hinweg erniedrigt, ausgegrenzt und drangsaliert wird und den feindseligen Attacken eines (idR) gleichaltrigen Tyrannen (dem sog. Bully) ohnmächtig (Ohnmacht = ohne Macht sein; nichts machen können) ausgesetzt ist“. Die wenigsten Kinder und Jugendlichen werden durch ein solches Erleben aktiv-aggressiv (sprich: sie wehren sich vehement gegen diese Attacken und entwickeln sich darüber hinaus dann ggf. selbst zum „Prügler“) oder mutieren gar zum Amokläufer! Die meisten Kinder fressen ihr Leid ganz still und leise in sich hinein, bis er dann irgendwann da ist: der absolute Zusammenbruch.

Mobbing hat idR immer, egal ob bei Kindern oder Erwachsenen, System. Es beginnt oft scheinbar „ganz harmlos“ und endet nicht selten damit, dass eine ganze Klasse, manchmal sogar eine ganze Jahrgangsstufe, einem Schüler das Leben zur Hölle macht. Oft ist der klassische Verlauf, dass ein Kind einmalig auf eine „blöde Bemerkung“ reagiert. Mit sichtlichem Ärger, weinen, weglaufen, schreien vor Wut u.a. Und genau das ist dann der auslösende Moment, in dem sich die anderen überlegen fühlen. Greift bereits jetzt niemand ein, mögen sich manche Kinder ermutigt fühlen, dieses „Überlegenheitsfeeling“ abermals zu erzeugen. Anfangs sind die sog. „Mobber“ mit einem solchen Verhalten nichtmal sonderlich beliebt in der Gesamtklasse! Anfänglich werden sie oft sogar noch sanktioniert aus den eigenen Reihen, „nun mal damit aufzuhören, weil das gemein ist!“ Aber auf Dauer gewinnen sie dann in aller Regel trotzdem Macht, und immer mehr Kinder werden versuchen einen ähnlich „vielversprechenden Status“ zu erlangen. Und dann machen sie auf einmal alle mit – beim täglichen Quälen ihres auserkorenen Opfers!

10- 15% der Schulkinder sind nach offiziellen Untersuchungen (8/2012) Mobbing- Opfer. Bevorzugt betroffen sind Kinder zwischen 7- 15 Jahren, am häufigsten zu Beginn der Grundschulzeit. Sie leiden unter täglichen verbalen oder körperlichen Attacken ihrer Mitschüler. Es wird geschubst, gekniffen, gespuckt, gedroht, angebrüllt, geprügelt. Stifte und Hefte werden versteckt, Kleidung zerrissen, bemalt, verschmutzt, Ranzen ausgeleert. Es wird gehänselt, beleidigt, gelästert, bloßgestellt und ausgelacht.

Als einzelne Aktion mögen manche Eltern und leider auch Lehrer dies alles „nicht so schlimm“ und „noch im normalen kindlichen Rahmen finden“. Zusammengenommen erlebt ein Kind dadurch jedoch gezielten, massiven Psychoterror! Auch die moderne Technik wird dabei inzwischen als mit beliebteste Methode eingesetzt, um die täglichen Angriffe auch nach der Schule weiter ausleben zu können. Und zu signalisieren „Du bist unser Opfer!“. Via SMS oder whatsapp werden Gemeinheiten versendet („Wasch dich mal, du Sau!“), in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Schüler- VZ werden Hetz-Kampagnen gestartet („Anti Sebastian H.- Gruppe“).

Bullying findet inzwischen überall statt. Sowohl in der Grundschule in Berlin- Kreuzberg, als auch auf dem Elite- Internat in München. Mit zunehmender Reife der Kinder, sprich mit zunehmenden verbalen und kognitiven Fähigkeiten, nimmt Mobbing ab. Wo es dann aber vorkommt wird es leider immer raffinierter und subtiler. So mobben jugendliche Gymnasiasten kaum noch „offen und direkt“. Und vor allem Mädchen gelten dabei als „Meisterinnen der scheinbar unsichtbaren, aber massiv verletzenden Attacken“.

Eltern sind oft ahnungslos

Laut Angaben der zu diesem Thema inzwischen bergeweise vorhandenen Literatur, erzählen nur ca. die Hälfte aller betroffenen Kinder zu Hause von ihrem Schul-Elend. Im Gespräch mit den Kindern, und der Nachfrage „warum hast du denn nichts erzählt zu Hause?“, sind Antworten wie „Die haben doch selbst genug Probleme!“ nicht unüblich. Manche Kinder wollen ihren Eltern einfach diesen Kummer ersparen. Andere haben die Angst, wenn sie zu Hause davon erzählen, treten sie eine ganze Lawine los, und alles wird nur noch schlimmer in der Schule. Als „Petze“ zu gelten, das kommt für unzählige Kinder trotz größter innerer Not nicht in Frage. Die Aussage „Na und? Dann weiß es mein Lehrer, wenn meine Mutter da aufläuft und eine Welle macht. Und dann? Der checkt doch sowieso nicht, was da wirklich los ist!“, finde ich hinsichtlich der  Rollen- Wahrnehmung von Kindern, hinsichtlich ihrer Lehrer, ganz besonders ernüchternd. „Lehrer, die es nicht glauben oder wahrhaben wollen“ fallen neben den Kindern, die es nicht erzählen zu Hause, auf die obersten Plätze der Hürden, im Kampf gegen Mobbing an Schulen.

Wie können Eltern helfen? 

  • Vermeintlich gute Ratschläge vermeiden! Tipps wie „wehr dich doch mal!“ oder „geh denen einfach aus dem Weg!“ oder „Du darfst auf keinen Fall heulen wenn sie dich das nächste mal ärgern!“ sind wenig hilfreich. Eltern können sicher davon ausgehen, dass das Kind schon einiges selbst versucht hat, seine schwierige Situation zu verbessern! Schuldzuweisungen sind immer kontraproduktiv („Und warum machen die das dauernd nur mit dir?“) und werden dazu führen, dass das Kind zukünftig nichts mehr erzählt.
  • Aufmerksam, gelassen bleiben, zuhören! Haben Kinder das Gefühl ihre Eltern verfallen nun in hektische Panik, dann werden sie selbst nur noch mehr Angst bekommen. Besser: gemeinsam mit dem Kind die Fakten sammeln. Ein Mobbing- Tagebuch kann hilfreich sein! (dies gilt auch für erwachsene Betroffene!) Häufig muss das Kind erst zu der Einsicht gelangen, dass Hilfe von außen notwendig ist.
  • Hilfe bei der Schule einfordern! Die Idee, die Problematik des Kindes zunächst mit den Eltern des Mobbers zu diskutieren, ist eine nachweislich schlechte Idee! Ein Problem in der Schule gehört auch genau dort erörtert! Ansprechpartner sind Klassenleitung, Vertrauenslehrer, Schulleitung oder auch der Schulpsychologe und/ oder Sozialarbeiter (falls vorhanden). Ein gefasster, überlegter, strukturierter Auftritt ist wichtig und hilfreich. Niemandem nützt es, wenn Eltern in einem Gespräch brüllen oder nur noch weinen! Damit das Gespräch nicht unverbindlich „irgendwie endet“, immer konkrete weitere Maßnahmen und Ziele vereinbaren (schriftlich!). Die Schule sollte in jedem Fall wissen dass, wenn keinerlei Kooperation und „Einsichtsfähigkeit“ spürbar ist, notfalls auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingeleitet wird. Dies soll keinesfalls (!) eine Drohung sein! Lediglich ein sachliches Aufführen der nächsten Schritte, wenn Eltern selbst keinen Schritt weiterkommen in ihren Gesprächen mit den dafür zuständigen Pädagogen.
  • Das Kind stützen und aufbauen! Wird ein Kind in der Schule gemobbt, ist es um so wichtiger, dass es woanders Wertschätzung und Anerkennung erfährt. Eltern sollten dahingehend für alternative Erfolgserlebnisse ihres Kindes sorgen. Abwechslung durch Sport, Familie, Freizeitaktivitäten mit anderen Kindern etc.
  • Klasse oder Schule wechseln! Auch wenn dies zunächst die letzte Konsequenz sein sollte, kann diese Lösung in manchen Fällen klug und zudem unabdingbar sein. Jedoch bitte Achtung: eine Garantie, dass das Kind nicht auch in der nächsten Schule erneut in die Opferrolle gerät (Facebook macht sicher nicht vor dem nächsten Stadtteil halt, gleichaltrige Schüler untereinander kennen sich, Erzählinhalte verbreiten sich schnell!) gibt es nicht! Deshalb wären zunächst alle anderen Interventionen anzustreben.

Mythos 2: „Die Opfer sind ja oft selbst schuld!“ – FALSCH! Alles hängt immer und zu jeder Zeit von der Situation in der Gruppe ab! Es kann JEDEN treffen!“

Das Bild des „typischen Mobbing- Opfers“ sollte inzwischen als überholte „Mär“ bekannt sein, ist es aber nicht. Weiterhin denken Menschen (auch in der Berufswelt von längst erwachsenen Betroffenen!), dass „Mobbing- Opfer“ ein Stück weit „Hier!“ rufen, und es bestimmte Kriterien gibt, die klassisch dafür verantwortlich sind, überhaupt Mobbing- Opfer werden zu können. Die Annahme ist falsch, wie Untersuchungen klar belegen, davon auszugehen, dass äußere Merkmale wie Gewicht, Hautfarbe oder Kleidung, bzw. Eigenschaften der Persönlichkeit (z.B. still, passiv, schüchtern, strebsam) Mobbing nahezu herausfordern. Heute weiß man viel eher, dass diese von Tätern immer wieder genannten „Gründe“ in Wirklichkeit nur ihrer eigenen Rechtfertigung für ihre Taten dienen sollen. Schülerbefragungen zeigen, dass 9 von 10 Kindern beim Tathergang Mobbing eine klar definierte Rolle haben. Neben den Hauptrollen, das „Opfer“ und sein Bully, gibt es auch Nebenrollen. Z.B. der „Assistent des Täters“, der (oftmals einzige!) „Verteidiger des Opfers“, die den Prozess untermauernden „Beifallklatscher“, sowie die „Außenstehenden“, die einfach „irgendwie auch dabei sind“.

Die Rolle der Eltern und Lehrer

Es ist bereits sehr viel gewonnen, wenn sich Kinder, die sich bisher rausgehalten haben, auf die Seite der Opfer stellen. „Mitgefühl mit Opfern haben“ und „erleben, dass man gegen Bullying etwas tun kann“, gehört inzwischen auch zum festen Rahmenprogramm vieler Lehrpläne in Regelschulen. Zudem gibt es auch weiterhin Familien, die den schulischen Erlebnissen ihrer Kinder beim täglichen gemeinsamen Abendbrotessen Raum, Gehör und Wichtigkeit geben. Wenn es an aufmerksamen, mitfühlenden und mutigen Mitschülern fehlt – und davon muss man idR zunächst leider ausgehen – ist das entschiedene Einschreiten der Lehrer notwendig. Oft sind es jedoch weiterhin die Eltern, die der Schule den entscheidenden Anstoß zum Handeln geben müssen. Obwohl Eltern dabei auf einem sehr schmalen Grat balancieren („nicht wegen jedem Konflikt rennt man gleich in die Schule!“) müssen Eltern bei einem akuten Mobbing- Verdacht aktiv werden! Sie müssen es, weil Mütter und Väter VERPFLICHTET sind, die Rechte ihres Kindes zu vertreten!

Und nun kommt das Entscheidende: sollten Lehrer nicht willens oder in der Lage sein etwas Konkretes zu unternehmen, wenn das Problem abgewiegelt wird oder die Schule mehr oder minder „mauert“, dann ist es erforderlich die übergeordnete Behörde zu informieren! Auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde kann dahingehend in Erwägung gezogen werden, um notfalls mit juristischem Beistand dem Schutz des Kindes Nachdruck zu verleihen. Sogar die Option einer Anzeige bei der Polizei sollte man – in anders nicht lösbaren Fällen – nicht völlig aus dem elterlichen Handlungs- Fokus verbannen. Juristisch bewertet gilt Mobbing zwar weiterhin nicht als Tatbestand, sehr wohl aber als z.B. Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung oder Diebstahl. Und selbst wenn es so sein sollte, dass der zuständige Staatsanwalt nach vorliegender Anzeige seine Ermittlungen bald wieder einstellen wird, hinterlässt eine Vernehmung durch die Polizei bei „Täter- Kindern“ fast immer den gewünschten Eindruck. Manfred Kapusta (Holdorfer Institut für Gewaltprävention und Konflikttraining) empfiehlt Schulen, die seinen Beistand bei schweren Mobbing- Problemen suchen, dass, wenn nötig, nicht die Eltern des Opfers sondern die Leitung der Schule Anzeige erstattet.

Die Institution Schule darf Mobbing niemals ignorieren oder gar dulden! Lehrer sollten immer couragiert handeln! Tun sie dies nicht verlieren sie den Respekt und laufen sogar selbst Gefahr, zukünftig zu denen zu gehören, mit denen eine Klasse „den Molli macht“. Zudem haben Lehrer Vorbildfunktion und sollten stets gut darüber nachdenken, was eine lapidare Bemerkung vor der Gesamtklasse anrichten kann! Mit einem Satz wie“ „Mensch, bist du zu dämlich, oder wieso geht das nicht in deinen Kopf rein?“, oder „Mein Gott, beweg dich mal! Über dieses Hindernis kommt selbst ein Walross geschickter drüber!“  kann ein Lehrer – ohne sich großartigste Gedanken darüber zu machen – einen Schüler „zum Abschuss“ frei geben!

Mythos 3: „gegen Mobbing sind wir Lehrer machtlos!“ – FALSCH! Lehrer können das Opfer schützen und den Täter sehr klar in seine Schranken weisen!

Lehrer müssen das Opfer in erster Linie schützen! Dies hat unmittelbar, entschieden und nachhaltig zu passieren! Wenn sich der sog. Bully nach einem ersten klärenden Gespräch nicht kooperationsbereit zeigt und eine Verhaltensänderung nicht erkennbar ist, wenn er sich nicht aufrichtig (!) entschuldigt, sich nicht an Abmachungen hält, einfach nahezu unbeeindruckt oder auch subtil weitermacht, müssen (!!!) erste Sanktionen folgen! Die Institution Schule hat dabei nach dem Gesetz eine Bandbreite an internen Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen im Gepäck – bis hin zum Rauswurf – und der Spielraum der Möglichkeiten ist viel größer, als er in der täglichen Praxis genutzt wird! Nicht das Opfer muss hier an sich arbeiten (und „vielleicht mal eine Therapie machen?“, wie manche Pädagogen Eltern betroffener Kinder in einer akuten Mobbing- Situation dann noch empfehlen!). Allein ändern muss sich der Täter! Finge das Opfer nun plötzlich damit an sich zu wehren, verschlimmert sich die Situation in der Schule sogar oftmals drastisch! Der Bully fühlt sich ungewohnt herausgefordert. Maßnahmen, die nicht primär beim Täter ansetzen, führen zudem in der Regel lediglich dazu, dass der sich ein neues Opfer sucht. 

Strategien für Lehrer: 

  • Das Opfer schützen: Das betroffene Kind zeitnah aus der unmittelbaren Schusslinie holen! Ggf. sollte der Mobber den Unterricht zunächst in einer anderen Klasse fortsetzen.
  • Den Mobber stoppen: das Signal der Schule an den Täter muss eindeutig sein! „Wir werden dein Verhalten nicht dulden! Änderst du es nicht wird das unangenehme Konsequenzen für dich haben!“. Der Mobber sollte sich aufrichtig entschuldigen. Auch eine Form der Wiedergutmachung kann überlegt werden. Viele Experten raten von einem gemeinsamen Gespräch mit Opfer und Bully ganz dringend ab! Andere betonen, dass nach getrennten Befragungen eine Begegnung zwischen Opfer und Bully wichtig sei. Ziel: gegenseitiger Respekt. (An dieser Stelle kann ein Mobbing- Experte, in seiner Funktion als Mediator, für die in das Geschehen eingebundenen Pädagogen zu Rate gezogen werden).
  • Vorbeugen: Auch Langeweile ist ein Mitgrund, warum (jüngere) Schüler andere ärgern. Ein attraktiver, erlebnisreicher Pausenhof kann Abhilfe schaffen, ebenso wie eine effektive (!) Pausenaufsicht durch mehrere (!) Lehrer! Diese sollten Beobachtungen machen und den entsprechenden Klassenlehrer darüber informieren. Eltern können bereits zu Schulbeginn Telefonnummern von „Sorgentelefonen“ ausgegeben werden, über die zunächst erst einmal anonym Rat eingeholt werden kann im Bedarfsfall.
  • Regeln klar definieren und das Sozialverhalten stärken: Schulen sollten klare Regeln zum gewaltfreien und fairen Umgang miteinander aufstellen und deren Einhaltung dringend (!) umsetzen. Mit Hilfe von Programmen (die auf diesem Sektor inzwischen in jeder Stadt professionell angeboten werden) lassen sich Zivilcourage und kooperatives Verhalten in Klassen trainieren und unter Anleitung gezielt weiterentwickeln. Soziale Lernprogramme, Projektarbeiten zum Thema Gewalt, Konflikte, Regeln, aber auch Mobbing selbst, sollten in jeder Schule einen festen Platz haben.
  • Fort-und Weiterbildungen: Lehrer sollten versuchen das Thema „Mobbing an Schulen“ nicht aus ihrem Zuständigkeitsbereich zu streichen. Ein Pädagoge hat vor allem in unserem heutigen „Zeitalter“ weitere Aufgaben zu erfüllen, als lediglich „den Stoff in die Köpfe der Schüler zu bekommen“. Dies ist ungeachtet dessen so, dass keine weitere Berufsgruppe so akut Burn- out gefährdet ist, wie Lehrer. Das eine schließt das andere dabei leider nicht aus. Fortbildungen im Bereich Gewaltprävention, Konfliktlösung und Förderung der Sozialkompetenz junger Menschen (Stichwort Erlebnis- Pädagogik) gehören heutzutage zur „berufsethischen Pflicht“ neben der regulären Erfüllung des Rahmenlehrplans. Dies ist meine ganz persönliche Auffassung als Lehrerin. Organisierte Schulungen der Lehrer zur eigenen Kompetenzerweiterung hinsichtlich methodischer Hilfestellungen in Klassen, sowie zielgerichtete Supervisionen für Lehrkräfte sind ebenso unabdingbar.
  • Informationen einholen: einen sehr guten Überblick und zunächst auch Einstieg in dieses Thema bietet die „Berliner Anti- Mobbing- Fibel“. Auch ein Download der Inhalte wird im Internet dazu angeboten. Das Computerprogramm „Fear not“ soll das Verständnis von (beteiligten) Kindern für das Opfer wecken und auch Auswege zeigen.

Gib Mobbing keine Chance! 

Der allerbeste Schutz gegen Mobbing sei es weiterhin, so die gängige Fachliteratur, wenn Schule nicht nur Wissen vermittele, sondern ebenso soziale Kompetenz fördere. Und ganz idealerweise beteiligt sich an dieser „Lebensaufgabe“ natürlich auch das Elternhaus! Die Verantwortung und Führung auf dem Sektor „Wie erwirbt mein Kind Sozialkompetenz?“ ist in hohem Maße natürlich (!) auch in der Familie zu erwarten und kann nicht alleinige Aufgabe der Pädagogen sein! Wer in unserer heutigen Welt bestehen möchte und glücklich werden will, braucht neben seinem IQ vor allem auch einen hohen EQ (emotionale Intelligenz). Schule muss in der heutigen Zeit den Ehrgeiz haben, ein Ort zu sein, an dem sich Kinder gut fühlen. Erst dann kann lernen Spaß machen! Und das Lehren übrigens auch!

(Zahlen, Daten, Fakten: u.a. Focus Schule)

Unter dem Suchbegriff „Mobbing in Schulen“ sind viele Artikel und Hilfestellungen zu dieser Thematik zu finden.

Ein ganz besonderes Buch, welches ich sehr empfehlen kann:

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Die Arbeit mit (zum Teil noch sehr jungen) Kindern und Jugendlichen ist ein Schwerpunkt in meiner Praxis. Neben den Kindern und Jugendlichen, die Mobbing bereits erfahren haben und akut bzw. im Anschluss symptomatisch unter den Auswirkungen leiden, arbeite ich an diversen Themen, die das Kindes- und Jugendalter betreffen. Neben der Thematik der z.B. Schul- und Prüfungsangst, zählen auch Angst- und Panikattacken, Trennungsbegleitung, Trauerarbeit, allgemeine und spezielle Gesundheitsprävention, Konfliktlösung und das chronisch kranke Kind zu meinen präferierten Gebieten.

Nehmen Sie für ein erstes unverbindliches Informationsgespräch sehr gerne Kontakt zu mir auf. Herzliche Grüße, Sandra Reinheimer