Trigger im Café. Oder: wo sie doch überall hängen, unsere Spiegel

Ich sitz grad im Lieblingscafé meiner Stadt.

Direkt neben mir ein Pärchen. Er geschätzt Anfang 50. Sie 10 Jahre jünger.

Und während ich ihn so löffele, meinen Joghurt, merke ich schon, wie es leicht in mir hochsteigt. So von unten. An den Füßen startend. Ihr kennt das.

Ich beschreibe, was ich hier wahrnehme: ein Mann redet unaufhörlich. Ohne Punkt. Ohne Komma. In intellektuellem Hochdeutsch. Betont. Eindringlich. Er redet. Und redet. Und redet. Ihn hört man völlig prägnant.

Ich verstehe jedes einzelne Wort.

Sie antwortet zwischendurch. So leise, dass man nicht verstehen kann: was eigentlich!?

Er erzählt ihr die Planung der nächsten Woche. En Detail. Was, wann, wie, mit wem, wer nicht dabei, warum nicht, weitere Gedanken in den tiefsten Tiefen der Ausführung. Namen, Personen, die sonst noch involviert sind.

Nachfragen an sie, nach jedem dritten Eckpunkt der Story: „wie sie das findet?“.

Ihre Antworten: weiterhin nicht hörbar.

Ich denke: könntest du jetzt bitte endlich mal lauter sprechen!??

So, dass DU ggf. auch mal zu Wort kommst!??

Während des Gesprächs schaut er sie an wie ein indischer Schlangenbeschwörer (sorry: ich versuch es ja echt wertfrei gerade! Schwierig….)

Er lächelt. Und lächelt. Und lächelt. Und lächelt.

Ihr Gesicht seh ich leider nicht, da sie mit dem Rücken zu mir sitzt.

In kurzen Momenten der Stille wird seine Stimme dann durch Intensiv-Streichelei ersetzt.

Für alle, die schon mal mit Pferden zu tun hatten: striegeln! Das trifft es ebenso passend. Ein Pferd striegelnd! 55 mal über ihren Arm. 55 mal über seinen Arm. Ohne Unterlass. Und weiter. Und weiter. Und weiter.

Reden. Lächeln. Striegeln. Reden. Lächeln. Striegeln.

Meine Füße haben inzwischen schon den Drang, sich bewegen zu müssen.

Ich löffele weiter meinen Joghurt und würde den inneren Zustand als „Wei!!!! Du gehst mir sowas von auf den Keks gerade!!“ beschreiben… Und endlich sagt er es….

„Zahlen bitte!“.

Sie gehen 5 Minuten später. Ich atme auf. Einmal innerlich. 2 mal äußerlich. Regelrechte Erleichterung breitet sich in mir aus. Stille!

So – und genau das sind sie.

Unsere täglichen Spiegel, die uns das Leben so fürsorglich und konsequent immer und immer wieder hin- und vorhält.

Spiegel, die uns zu nichts weiter auffordern wollen, als hinzuschauen, was DA denn nun los war!?? Bei UNS!

Und nur bei UNS!

Natürlich hat mein Erleben NICHTS, rein gar NICHTS mit der Situation als solche zu tun.

Natürlich NICHT.

Auch nicht mit dem Mann. Auch nicht mit der Frau (… wie auch!? Ich kannte beide ja gar nicht).

Und genau DAS gilt es nun mal anzuschauen.

Wenn uns Menschen, Situationen oder Verhalten antriggern, dann steht dieses (unser!) Erleben ausschließlich (!) für DAS, was IN UNS nach Hinschauen, Reflektieren, Lösen ruft.

Genau in dem Moment, wenn es sooooo laut ruft, wie in meinem Beispiel.

Exemplarisch. Klar.

Das, was in uns grad nicht stimmig ist (nicht heil, nicht frei, nicht gelöst… wie auch immer). Das, was so absolut spannend (!) sein kann, wenn man in die „Entschlüsselung“ geht.

Und ja, alles, was letztendlich entschlüsselt ist, darf danach mit ziemlicher Sicherheit „gehen“.

Weil es bewusst gemacht wurde. Weil es hochgeholt wurde. Um gesehen und angeschaut zu werden.

Eine nächste Situation dieser Art kann dann bereits ganz anders erlebt werden. In Ruhe – im best case – weil nichts mehr anfängt, erneut „zu schwingen“, in uns.

Reflektionsfragen können hier nun zieldienlich sein, um den „Kern des Ganzen“ sehen zu können.

Merke: ein sog. „Auslöser“ (auch Trigger) ist NIE die Ursache als solche.

Diese Ursache ist ganz woanders gelagert.

Und dort zu suchen – da, wo es anfängt in Dir „ungut zu schwingen“, da hast DU sie, die sog. Resonanzen mit dem Thema.

Eine Resonanz haben bedeutet: in Wallung geraten, weil das System „anspringt“.

Auf das, was ihm da gerade präsentiert wird.

Wäre keine Resonanz vorhanden, würde rein gar NICHTS passieren (meint: Schwingung würde gar nicht erst ausgelöst).

Also… fang an. Ich mach’s auch :))

PS: an meinem Nachbartisch sitzt nun ein anderes Paar. Super sympathisch, wie ich so finde. Und von Herzen wünsch ich ihnen nun guten Appetit bei der Spargelsuppe, während ich vor knapp 30 Minuten am liebsten meinen Joghurt mit der Teelöffel-Zwille nach links verschossen hätte.

Und vergiss nie: wir sind ALLE nur Menschen. Und dürfen demnach auch „voll (und) menschlich“ sein. So dann und wann zumindest.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, dann schau mal hier:

Von Selbstliebe und eben echten… Königinnen

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