Von Beziehungen und Sand

Beziehungen sind komplizierter geworden.

Vielleicht auch, da Chats heute das neue Reden sind.

Diskutiert wird Stunde um Stunde, ohne Augenkontakt, ohne die Nuancen der Stimme, ohne die kleinen Gesten und Zeichen des anderen, die sofort so vieles mildern könnten. 

Gekämpft wird weiterhin, klar. 

Leidenschaftlich und so voller Mut und Enthusiasmus, meistens jedoch nur dann, wenn ein persönlicher „Vorteil“ daraus entspringen könnte.

Der erste Schritt wird hinausgezögert, bis es zu spät ist.

Und Gefühle?

Gefühle werden über Facebook-Posts oder den entsprechenden Whatsapp-Status ausgesprochen.

Natürlich immer am DU orientiert.

„DU sollst LESEN, was DU mir hier gerade antust!“.

„DU sollst LESEN, wie schlecht es mir geht, nur wegen DIR!“.

„DU sollst mitkriegen, wie grandios ich mich doch amüsiere, obwohl DU mir gerade das Herz zertrampelst!“.

Und vor lauter Spielchen und Spielchen, vor lauter „Ich grabe dir eine Grube in meiner Sandkiste, DU Arsch!“ – fallen wir immer nur wieder selbst kopfüber in genau diese Gruben hinein.

Wir – die sich so unsicher sind über die eigenen Gefühle.

Verwirrt, weil man so oft einfach gar nichts mehr anfangen kann, mit all diesen vielen Social-Andeutungen.

Verliebt in einen anderen Menschen, aber gebremst von seinem Verhalten.

Und so oft GLAUBEN wir dann sogar mal.

An etwas.

An jemanden.

An die Liebe.

An das Leben.

Und dann und wann sogar mal an uns. 

Aber oft eben nie genug, um den entscheidenden Schritt zu machen.

Wir wissen, dass Menschen lügen können.

Auch, oder gerade dann, wenn sie erobern wollen.

Wir wollen ankommen – ganz bestimmt haben diese Worte Substanz.

Aber in einer Welt von Durchreisenden ist ein Zuhause nur noch sehr schwer zu finden.

Es ist die Klarheit, die oft fehlt.

Es sind diese seltenen Momente, in denen sich ein Satz vom Text löst – und beginnt, für sich selbst zu stehen.

2017 veröffentlicht Sandra Reinheimer einen Beitrag auf Facebook. Ein Text unter vielen. Ohne Kampagne, ohne Weiteres.

Was folgt, ist bemerkenswert. Nicht der Text wird zum Phänomen. Ein einzelner Satz wird es:

„Es ist die Klarheit, die oft fehlt.“

Er verbreitet sich. Wird zitiert, weitergetragen, geteilt, x-fach.
Ein Satz, der sich festgesetzt hat – in Gesprächen, in Entscheidungen, im Alltag vieler Frauen.

Heute ist er mehr als eine Formulierung. Er ist ein Marker geworden.

Und wie so oft bei genau solchen Entwicklungen bleibt eines im Hintergrund:

Der Ursprung.

Nur wenige kennen den Text, aus dem dieser Satz damals hervorgegangen ist.

Jenen Beitrag aus dem Jahr 2017, der nie darauf angelegt war, ein Branding zu werden – und genau dadurch eines wurde.

Warum ihn heute – 2026 – noch einmal zeige?

Weil sich Wirkung verändert.

Was damals gelesen wurde, wird heute von vielen, vielen Frauen verstanden. Was damals zitiert wurde, wird heute klar eingeordnet.

Und weil hinter jedem starken Satz etwas steht, das mehr ist als Sprache:

Substanz.

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