Sisterhood – grounded in Sisterhood
„Sisterhood zeigt sich nicht in deinen Worten. Sondern in dem, was von anderen Frauen übrig bleibt, wenn sie den Raum verlassen haben, in dem du warst.“
Sandra Reinheimer – Sisterhood und weibliche Dynamiken – eine systemische Betrachtung.
Und nein – du musst nicht über Sisterhood sprechen.
Man erkennt sie daran, wie sicher andere Frauen in deiner Abwesenheit sind.
Sisterhood ist kein Gefühl. Es ist ein Standard
Heute Morgen habe ich diesen Beitrag auf meiner Facebookseite und auch auf meinem persönlichen Profil veröffentlicht – begleitet von genau diesem Bild:
© Sandra Reinheimer & Birgit Unger – grounded in Sisterhood.
Because that’s the standard.
For women who stand.DU KANNST
MIT MIR NICHT
KONKURRIEREN.WEIL ICH MÖCHTE,
DASS DU AUCH GEWINNST.
Dazu habe ich geschrieben:
„This is the standard.
For women who stand.
Therefore: set the standard!
A call to all women – in every language, across the world.
Beginning in Germany – a country that truly needs it more than ever.
Aho.“
Übersetzt:
© Sandra Reinheimer & Birgit Unger – verwurzelt in Sisterhood.
Das ist der Standard.
Für Frauen, die stehen.
Deshalb: setze den Standard!
Ein Ruf an alle Frauen – in jeder Sprache, auf der ganzen Welt.
Beginnend in Deutschland – ein Land, das es nötiger hat denn je.“
Und nein – das ist kein „schöner Post“.
Das ist auch kein „Gedanke“.
Das ist ein Maßstab.
Ein klar gesetzter Standard darüber, wie Frauen einander begegnen – oder eben nicht.
Und genau deshalb schreibe ich diesen Text.
Denn so klar dieser Standard formuliert ist, so deutlich zeigt sich im Alltag:
Viele Frauen haben ihn – weiterhin – nicht verstanden.
Nicht im Ansatz.
Nicht im Verhalten.
Nicht im Denken.
Und schon gar nicht in der Tiefe dessen, was Sisterhood wirklich bedeutet.
Systemische Arbeit beginnt im Sichtbaren
Ich arbeite seit vielen Jahren systemisch.
Und wer systemisch arbeitet, erklärt nicht ausschließlich über Theorie.
Sondern über das, was sichtbar wird, wenn Menschen einander begegnen.
Über reale Situationen.
Über das, was zwischen Menschen geschieht – und oft nicht ausgesprochen wird.
Und genau deshalb nehme ich dich nun mal mit.
Mallorca. Letztes Jahr.
Wie systemische Dynamiken sichtbar werden
Eine Begegnung dort, die in ihrer Klarheit kaum zu übertreffen ist.
Eine Frau, die von Sisterhood nichts verstanden hat.
Nicht im Ansatz.
Nicht im Kern.
Nicht im Verhalten.
Und nein – um das gleich vorweg zu nehmen – das war nicht einfach nur „eine schwierige Frau“.
Das war ein in sich geschlossenes System.
Nach außen: sichtbar auf Social Media, vermeintlich erfolgreich.
Eine Frau, die weiß, welche „Mallorca-Kulisse“ man in Szene setzen muss.
Doch sobald du hinter die Fassade blickst, wird es still.
Denn da war nichts, was trägt.
Kein echtes Business, das tatsächlich läuft.
Keine einzige Beziehung, die Halt gibt.
Keine familiäre Eingebundenheit, die nährt.
Im Grunde: eine tiefe Unzufriedenheit, die sich durch alle Lebensbereiche zog.
Eine Leere, die nicht benannt wurde – sondern überdeckt.
Mit Photos auf Social Media.
Mit Worten.
Mit Inszenierung.
Eine Frau, die viel Schein aufgebaut hatte – auf einem Fundament, das gar nicht existierte.
Und genau das erkennst du nicht sofort.
Das erkennst du erst, wenn du hinter diese Kulissen blickst.
Wenn du länger bleibst.
Wenn du genauer hinschaust.
Und dann wird sichtbar, womit sich dieses System stabilisiert.
Nicht durch Aufbau.
Nicht durch Entwicklung.
Sondern durch Abwertung.
Ihr Muster war sehr eindeutig.
Sie sprach über jede Frau, die nicht anwesend war.
Nie neutral. Nie wohlwollend. Nie differenziert.
Immer mit einem Unterton von:
„Bei der stimmt etwas nicht.“
„Die ist nicht echt.“
„Mit der habe ich schon Dinge erlebt…“
Natürlich immer so erzählt, dass die andere Frau schlecht dasteht.
Und das eigentlich Erschütternde?
Sie lächelte genau diesen Frauen parallel ins Gesicht.
Freundlich. Zugewandt.
Während sie im nächsten Moment hinter ihrem Rücken zerstörte.
Und die, die das bis heute nicht wissen?
Die ihre Beiträge liken.
Die Herzen darunter setzen.
Die tun mir am meisten leid.
Und jetzt wird es systemisch.
Was hier wirklich reguliert wird
Was in solchen Dynamiken oft übersehen wird, ist die Funktion.
Abwertung ist kein „zufällig vorhandenes Ding“ – sie ist ein Regulationsmechanismus.
Wenn eine Frau innerlich keinen stabilen Platz hat, keinen klaren eigenen Rang, entsteht Spannung im System. Diese Spannung sucht Entlastung.
Und sie findet sie dort, wo sie am schnellsten wirkt: in der Relativierung anderer.
Nicht, weil diese Frauen „böse“ sind. Auch hier noch einmal sehr klar: Systemik arbeitet nicht mit Bewertung.
Sondern weil ihr System keine andere Form der Selbststabilisierung gelernt hat.
Fehlende Ordnung unter Frauen
Hinzu kommt ein zweiter, oft unsichtbarer Faktor:
die fehlende Anerkennung von Gleichrangigkeit unter Frauen.
Systemisch betrachtet braucht jede Beziehung eine klare Ordnung.
Zwischen Frauen bedeutet das:
Ich erkenne dich als gleichwertiges Gegenüber an – weder über mir, noch unter mir.
Wird diese Ordnung verlassen, entsteht Konkurrenz.
Nicht als bewusste Entscheidung, sondern als automatische Folge.
Dann wird jede andere Frau zum Spiegel – und damit zur potenziellen Bedrohung.
Die transgenerationale Ebene
Ein weiterer Aspekt liegt tiefer – in der transgenerationalen Ebene.
Viele Frauen tragen unbewusst Geschichten von Frauen vor ihnen: von Ausgrenzung, Rivalität, Verrat, Konkurrenz um Zugehörigkeit.
Diese Dynamiken verschwinden nicht einfach.
Sie wirken weiter.
Und sie zeigen sich genau dort, wo eigentlich Verbindung möglich wäre.
Das bedeutet:
Oft spricht in solchen Momenten nicht nur die einzelne Frau – sondern ein ganzes System von Erfahrungen, das nie geklärt wurde.
Warum Sisterhood nicht „entscheidbar“ ist
Und genau deshalb reicht Appell nicht aus.
Genaus deshalb reichen tolle Posts auf Facebook nicht aus – wie der heute, von Birgit und mir.
Du kannst nämlich nicht entscheiden, „ab jetzt solidarisch zu sein“, wenn dein System weiterhin auf Trennung organisiert ist.
(Bitte lies das noch einmal!)
Sisterhood entsteht nicht durch Absicht.
Sondern ausschließlich durch Klärung.
Durch das Wiederherstellen von innerer Ordnung.
Durch das Erkennen eigener Verstrickungen.
Und durch die Fähigkeit, andere Frauen stehen zu lassen – ohne sie für die eigene Stabilität zu brauchen.
Denn so etwas, ich sage es bewusst noch einmal, ist eben kein „Einzelfall“.
Und es ist auch kein, so oft es auch behauptet wird, „schwieriger Charakter“.
Das ist kein „Frauen sind halt so“.
Was du hier siehst, ist keine „Persönlichkeit“.
Es ist eine Struktur.
In der systemischen Betrachtung geht es nicht mehr „um sie“.
Sondern um das System, das hier wirkt.
Und hier zeigt sich die Ordnung hinter dem, was du gerade gelesen hast.
Nicht auf der Ebene von Verhalten – sondern auf der Ebene von Rang, Zugehörigkeit und Bindung.
Was hier wirklich passiert
Frauen, wie diese beschriebene Frau, handeln nicht zufällig so.
Sie stehen in einer inneren Ordnung, in der andere Frauen keine Verbündeten sind – sondern Konkurrenzfelder.
Und diese Ordnung entsteht nicht im Außen.
Sie entsteht im System.
Oft tief verankert in Erfahrungen wie:
- Abwertung durch weibliche Bezugspersonen (z.B. Mutter oder Schwester)
- Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Liebe oder Anerkennung
- Nicht gelebte oder unterdrückte Weiblichkeit im Familiensystem
- Verdeckte Loyalitäten zu verletzten, ausgeschlossenen oder abgewerteten Frauen
Das Ergebnis?
Eine Frau, die gelernt hat:
Ich bin nur sicher, wenn ich andere Frauen klein halte.
Warum das so – vermeintlich – perfide ist
Weil es nicht offen geschieht.
Diese Dynamik tarnt sich oft als Nähe.
Als Interesse.
Als „Ich mag dich“.
Aber in Wahrheit passiert etwas völlig anderes:
Verbindung wird simuliert – während Bindung systematisch zerstört wird.
Und genau das spüren viele Frauen. Oft, ohne es klar benennen zu können.
Dieses leise Gefühl von: „Irgendetwas stimmt hier nicht.“
Warum Sisterhood daran scheitert
Weil Sisterhood kein Konzept ist.
Kein Hashtag.
Keine schöne Caption unter einem Instagram-Post.
Sisterhood ist eine Haltung innerhalb eines Systems.
Und diese Haltung bedeutet:
- Ich stelle mich nicht über dich, um mich selbst zu stabilisieren.
- Ich entwerte dich nicht, um mich sicher zu fühlen.
- Ich spreche nicht anders über dich, wenn du den Raum verlässt.
Und vor allem:
Ich halte dich – auch dann, und gerade dann, wenn du nicht da bist.
Der eigentliche Bruch
Frauen, die so handeln, sind nicht „stark“.
Sie sind auch nicht „ehrlich“.
Und schon gar nicht „klar“.
Sie sind gebunden.
Gebunden an ein System, in dem Weiblichkeit nicht getragen, sondern bekämpft wurde.
Und solange diese Bindung nicht gesehen wird, wird sie weitergegeben.
Von Frau zu Frau.
Von Generation zu Generation.
Und jetzt wird es unbequem
Denn die entscheidende Frage ist hier nicht:
„Wer war diese Frau auf Mallorca?“
Sondern:
Wo leben Frauen diese Dynamik – vielleicht selbst, subtil, kaum sichtbar, aber wirksam?
- In einem Kommentar
- In einem Gedanken
- In einem inneren Vergleich
- In einem Satz, den du „nur mal eben“ über eine andere sagst
- In dem Weitertragen von Inhalten, die im Vertrauen erzählt wurden
Das ist der Standard
Nicht der Text von heute.
Nicht das Bild dazu.
Nicht das Statement dahinter.
Sondern das, was DU tust, wenn niemand hinsieht.
„For women who stand“.
Dann steh!
Nicht gegen andere Frauen.
Sondern für eine Ordnung, die Verbindung überhaupt erst möglich macht.
Sisterhood beginnt nicht im Kontakt – sondern in der Ordnung, in der du andere Frauen innerlich hältst.
Und nein – du musst nichts über Sisterhood sagen.
Man erkennt sie daran, wie sicher andere Frauen in deiner Abwesenheit sind.
Sisterhood beginnt nicht zwischen Frauen
Sie beginnt dort, wo du innerlich aufhörst, andere Frauen einzuordnen, zu vergleichen oder für deine eigene Stabilität zu brauchen.
Dort, wo du dich nicht mehr über Abgrenzung definierst – sondern über deinen eigenen Platz.
Erst wenn dieser Platz klar ist, entsteht etwas, das nicht mehr kippt:
eine Verbindung, die nicht davon abhängt, wer stärker, schöner oder erfolgreicher ist.
Sondern davon, dass jede steht – und die andere stehen lässt.

Dieser Beitrag ist Teil meiner Arbeit zu systemischen Dynamiken zwischen Frauen, Beziehungsmustern und unbewussten Verstrickungen.
Wenn dich diese Dynamiken interessieren und du tiefer verstehen willst, wie Beziehungsmuster und Verstrickungen entstehen, dann schau auch hier:
https://sandrareinheimer.com/category/beziehungen-verstehen-verstrickungen-und-emotionale-dynamiken/
