Das Herz – und sein möglicher Schmerz

„Mein Herz schmerzt“ – ein Satz, den jeder sicherlich schon einmal gehört hat in diesem Leben.

Das Herz – voranging zunächst seine Form – ist massgeblich als Symbol für die Liebe bekannt.

Im Alltag verabschieden wir uns von Menschen „In Liebe“, wir gratulieren mit den „herzlichsten Glückwünschen“, wir fühlen uns wohl in der Nähe von Menschen, die ihr „Herz am rechten Fleck haben“, wir setzen uns vehement und mit so viel echtem  „Herzblut“ für die Dinge ein, die uns über alle Maßen wichtig sind.

Das Herz ist der einzige Muskel, der 80 oder gar 100 Jahre lang nicht ein einziges Mal, nicht mal für einen kurzen Moment lang nur, ausruhen darf.

Das Herz – zwischen Physiologie, Erleben und innerer Dynamik

Ein Zustand, den viele Menschen kennen – körperlich spürbar und emotional kaum zu übersehen.

Herzstolpern.
Druck.
Stechen.
Ein Engegefühl, das den Atem nimmt.

Und gleichzeitig ein Erleben, das sich kaum rein körperlich beschreiben lässt:

„Ein tonnenschweres Herz.“
„Herzschmerz.“
„Ein Herzbruch.“

Das Gefühl, als säße „ein Elefant auf der Brust“, der jede Weite verhindert.



Das Herz als Symbol – und als Realität

Das Herz ist in unserer Sprache und unserem Erleben weit mehr als ein Organ.

Wir verabschieden uns „in Liebe“.
Wir gratulieren „von Herzen“.
Wir sprechen von Menschen, „die ihr Herz am rechten Fleck haben“.
Wir investieren „Herzblut“.
Und manchmal „rutscht uns das Herz in die Hose“,
während uns in anderen Momenten „alle Herzen zufliegen“.

Nahezu alle menschlichen Gefühle finden ihren Ausdruck über das Herz.


Die physiologische Perspektive

Aus medizinischer Sicht ist das Herz ein muskuläres Hohlorgan, dessen zentrale Aufgabe darin besteht, die Durchblutung des gesamten Körpers sicherzustellen.

Dabei arbeitet es unter einer Leistung, die kaum vorstellbar ist:

  • rund 2,5 Milliarden Herzschläge im Laufe eines Lebens
  • über 200 Millionen Liter transportiertes Blut
  • kontinuierliche Aktivität – ohne Pause

Das Herz ist damit der einzige Muskel, der über Jahrzehnte hinweg ohne Unterbrechung arbeitet.

Neben seiner symbolischen Bedeutung steht es daher auch für:

  • Ausdauer
  • Kraft
  • Durchhaltevermögen
  • und Leben selbst.

Zwischen Körper und Erleben: Die erweiterte Perspektive

In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder:

Herzbezogene Symptome lassen sich nicht ausschließlich durch physiologische Parameter erklären.

Viele Klientinnen und Klienten berichten von Beschwerden, für die zunächst kein eindeutiger organischer Befund vorliegt.

Hier wird ein Zusammenhang sichtbar, der in der klassischen Betrachtung häufig zu kurz greift:

  • das Zusammenspiel von körperlicher Reaktion,
  • innerem Erleben
  • und unbewussten Verarbeitungsprozessen.

Das Herz im Kontext systemischer Dynamiken

Gerade Faktoren, die auf unbewusster Ebene wirken, können einen erheblichen Einfluss auf das subjektive Herzempfinden haben.

Nicht als direkte Ursache im medizinischen Sinne – sondern als Teil eines komplexen Wechselspiels zwischen:

  • innerer Dynamik
  • emotionaler Verarbeitung
  • und körperlicher Reaktion.

Relevante Einflussfaktoren – eine systematische Annäherung

Die folgenden Themenbereiche zeigen in der Praxis wiederkehrend Zusammenhänge
im Kontext von Herzthemen und emotionalem Erleben:


Unversöhnlichkeit

Nicht gelöste Konflikte, anhaltender Ärger, Wut oder Enttäuschung


Mangelnde Selbstfürsorge / Selbstliebe

Belastende Verhaltensweisen wie Bewegungsmangel, dysfunktionale Ernährung oder übermäßiger Konsum


Hinderliche Glaubenssätze

Unbewusste Überzeugungen, die dauerhaft Stress erzeugen und stabilisieren


Übermäßiger Egofokus

Eingeschränkte Fähigkeit, Verbindung und echte emotionale Resonanz zu erleben


Anhaltende Traurigkeit

Reduziertes Erleben von Freude und emotionaler Lebendigkeit


Innere Unruhe und Angst

Fehlende Regulation, permanenter innerer Alarmzustand


Wut, Frustration, Ungeduld

Chronische Spannungszustände mit Auswirkungen auf Regulationsprozesse


Ablehnung und innere Härte

Reduzierte Selbst- und Fremdfreundlichkeit


Gefühl, „nicht gut genug“ zu sein

Selbstwertthemen mit Einfluss auf emotionale und körperliche Prozesse


Kontrollbedürfnis / Kontrollsucht

Eingeschränktes Vertrauen in Prozesse und Entwicklung


Stolz, Imagekontrolle, Überkompensation

Innere Anspannung durch Aufrechterhaltung äußerer Bilder


Erlebter Kontrollverlust

Instabilität im inneren Erleben mit Auswirkungen auf Sicherheit und Regulation


Zuordnung

All diese Faktoren sind nicht isoliert zu betrachten.

Sie wirken in Wechselbeziehung – und entfalten ihre Wirkung häufig unbemerkt über längere Zeiträume.

(Quelle der thematischen Zuordnung: Der Healing Code – in der Praxis differenziert und systemisch eingeordnet.)

Die nachfolgend noch einmal genannten 12 Themen können einen großen Einfluss auf den Zustand unseres Herzens haben.

Innerhalb meiner Praxistätigkeit erlebe ich regelmäßig, dass Klientinnen und Klienten von unterschiedlichsten Symptomen berichten, ohne dass ein ursächlicher „Herz-Kontext“ sofort ersichtlich ist.

Vor allem die Faktoren des Lebens, die auf unbewusster Ebene wirken, können dabei von ganz entscheidender Wichtigkeit  sein, bezüglich ihrer (psycho-)somatischen Auswirkungen.

Gehe nachfolgend jeden der Themenbereiche durch, und überlege, welche(r) in deinem Leben relevant sein könnte(n).

Lege nun die Hand auf dein Herz… atme 3 mal bewusst ein… und wieder aus… und los geht’s.

Unversöhnlichkeit (Gibt es Menschen oder Themen, wo du dich unversöhnlich fühlst, z.B. durch erlebten Ärger, Enttäuschung, Wut?)

Mangelnde Selbstliebe (Gibt es schädliche Verhaltensweisen in deinem Leben? Beispielhaft dafür können Gewichtsprobleme, Essstörungen, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum… u.a. sein)

Hinderliche Glaubenssätze (Gibt es Stress in deinem Leben, bedingt durch hinderliche Glaubenssätze und deren sicheren Schutz durch das Unterbewusstsein?)

Übermäßiger Egoismus (Ist dein Fühlen reiner Liebe gestört? Ggf. sichtbar durch hormonelle Körper-System Störungen)

Zu viel Traurigkeit (Ist dein Freude-Empfinden gestört? Ggf. sichtbar durch das Körpersystem Haut)

(Verstärkte) Innere Unruhe/ Angst (Ruhst du noch ausreichend in dir? Ggf. sichtbar durch den Zustand des Verdauungstrakt-Systems)

Zu viel Wut, Frustration und/ oder Ungeduld (Ist die Geduld eine Stärke von dir? Ggf. sichtbar durch den Zustand der Immun- und Selbstheilungssysteme)

Ablehnung/ Härte (Wie steht es mit der Freundlichkeit bei dir? Ggf. sichtbar anhand des Zustandes des zentralen Nervensystems)

Nicht gut genug sein (Wie rechtschaffen fühlst du dich? Ggf. sichtbar durch das Körpersystem Atmung)

Zu viel Kontrolle / Kontrollsucht (Wieviel Vertrauen hast du in deinem Leben? Ggf. ersichtlich am Zustand des Fortpflanzungssystems/-Organe)

Zu viel Stolz/ Arroganz/ Imagekontrolle (Hat die gesunde Bescheidenheit noch genug Raum in deinem Leben? Ggf. ersichtlich am Zustand des Gefäß-/ Herz-Kreislaufsystems)

Kontrollverlust (Hast du die Kontrolle über dich selbst und über dein Leben? Ggf.  hierzu auch körperlich ableitbar, hinsichtlich des Halte- und Stützapparates)

(Quelle der Herzproblemthemen: Der Healing Code)


Der Zugang zur Veränderung

Wenn sich in einem oder mehreren dieser Bereiche Resonanz zeigt, liegt darin kein Defizit – sondern ein Hinweis.

Ein Hinweis auf Prozesse, die bislang nicht ausreichend gesehen, verstanden oder verändert wurden.


Lege an dieser Stelle bewusst noch einmal die Hand auf dein Herz.
Atme ruhig ein.
Und wieder aus.

Und nehme wahr:

Was ist da – jenseits von Bewertung?


Systemische Klärung als Ansatz

In der systemischen Arbeit geht es nicht darum, Symptome isoliert zu „beseitigen“.

Es geht darum, die Strukturen zu erkennen, die diese Symptome hervorbringen und stabilisieren.

Dazu gehören:

  • Ereignisse und Erfahrungen
  • gespeicherte emotionale Muster
  • Glaubenssätze
  • sowie bewusste und unbewusste Verarbeitungsprozesse.

Ziel ist es, diese Dynamiken sichtbar zu machen und in eine veränderte Ordnung zu bringen.


Hinweis zur Einordnung

Diese Perspektive ersetzt keine medizinische Diagnostik oder Behandlung.

Sie ergänzt die Betrachtung um eine Ebene, die in komplexen Beschwerdebildern häufig eine entscheidende Rolle spielt.


Kontakt

Wenn du dein eigenes Erleben vertiefen und Zusammenhänge besser verstehen möchtest,
nimm gerne Kontakt für ein unverbindliches Gespräch auf.


Herzliche Grüße,
Sandra Reinheimer

Eine Antwort auf „“


  1. Liebe Sandra, danke für den wunderbaren Beitrag, der mich nachdenken lässt. Ich muss einfach zu viele Punkte bejahen ;-) sonnige Grüße Ines Reinhardt-Votava

    Waldstr.2 65597 Hünfelden 06438-920999

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