Von Projektionen, dem Rat der anderen und Benzin im Feuer

Weißt du, Liebes, so häufig suchen wir uns „Ratgeber“ im Leben. Jene „Ratgeber“, denen wir die eine Seite unserer gar gruseligen Geschichte erzählen. Genau diese eine Seite, die innerhalb unserer blindfleckigen Wahrnehmung DIE Wahrheit abbildet. Die einzig existierende Wahrheit in dem Moment, klar. Geprägt von unserem Erleben, umrandet von unzähligen Emotionen. Ich glaube, dass in diesen (unseren) verbalen Frustentlastungen bei unseren „Ratgebern“ leider zu oft übersehen wird, welch riesengroße Gefahr dahinter lauern könnte… und ja, hier wähle ich bewusst den Konjunktiv, um die Absolutheit nicht selbst und gleichsam strack sofort wieder selbst zu bedienen. Weißt du, Liebes, ich glaube heute ziemlich überzeugt, dass jene Menschen, die das Leben selbst -eigens gefühlt- maximal gefickt hat, keine konstruktiven „Ratgeber“ sein können. Zumindest genau so lange nicht, so lange der „Nachbrand“ (… von was auch immer) immer noch nagt und schmerzt und eigens frisst. Allein deshalb nicht, weil ihnen die Last der bewussten wie auch unbewussten Projektion jegliche Neutralität raubt. Projektion entsteht so gerne dann (… ein Beispiel von vielen nun…) wenn man Parallelen zu eigens erlebten Dingen wahrnimmt. Wenn man in Schwingung gerät, allein deshalb, weil man es schließlich selbst zu gut kennt (… weiteres Beispiel) „belogen, betrogen, in den Arsch getreten worden zu sein“.

Mit Neutralität mein ich nicht „nicht Fisch- nicht Fleisch- Antworten“. Mit Neutralität mein ich auch nicht, außer „hm, hm, hm….“ nichts zu erwidern. Mit Neutralität mein ich ebenso nicht, die eigene Meinung nicht äußern zu sollen.

Mit Neutralität mein ich viel eher, sich immer wieder bewusst zu machen, dass ein Erzähler (… vor allem wenn er emotional sehr aufgewühlt, getroffen, angeschlagen, verletzt ist) EIN Erzähler ist. EIN Erzähler der EINEN Seite der jeweiligen Geschichte. Ich glaube, dass wir (… auch wenn sich das gaaaaaaanz anders fühlen mag in dem Moment… entlastend mal sicher, keine Frage…) wenig von „Ratgebern“ haben, die Zwist, Konflikte, Schwierigkeiten ausschließlich „befeuern“. Natürlich ist es erstmal ein gefühlter High Five, wenn der best Buddy natürlich auch findet, „dass man ja so dermaßen recht und die Trulla wohl einen an der Uhr hat grad!!“. Natürlich hört sich das erstmal super an, wenn die BF bestätigt, „dass das ja wohl echt ein Riesenarsch ist!!! Und sein Verhalten!? Unmööööööööglich!!!!! Was sonst!???“. Und trotzdem, Liebes… trotzdem…. Ich glaube (… und das inzwischen so sicher….), dass es wenig Sinn macht. Dass es so dermaßen wenig Sinn macht. Dass es nicht hilfreich ist. Dass es -im Gegenteil- Gräben so fatal vertieft. Konflikte verschärft. Keinen Perspektiven-Wechsel forciert. Nicht schlichtet. Nicht beruhigt. Nicht heilsam ist… Und dass es vor allem eines verhindert: selbst erstmal wieder runter zu kommen. Um dann, mit ruhigen Augen noch mal neu zu schauen. Um dann, mit ruhigen Ohren nochmal anders zu hören.

Weißt du, Liebes, manchmal haben „Ratgeber“ leider selbst so dermaßen den inneren Kaffee über (… weil ihnen genau selbst x, y, z…. passiert ist…) dass es sehr, sehr rasch (… wenn auch bestimmt oft auch unbewusst) zu Projektionen kommen kann, die Dir (in deiner Situation) so viel mehr kaputt machen, als gut. Ein bestätigter Arsch ist ein Doppel-Arsch. Das in einem Satz dazu. Eine bestätigte doofe Kuh muht noch 5 mal lauter (Metapher, klar. Kühe sind nicht doof und Frauen sind keine Kühe, ebenso klar…). Das in einem zweiten Satz dazu.

Ich wünsche dir „Ratgeber“, die mit klaren Augen sehen. Augen, die bewusst und gewünscht sehen möchten, dass hinter jedem Verhalten einer anderen Person eine Geschichte steht. Ich wünsche dir „Ratgeber“, die mit offenen Ohren hören. Die bewusst und gewünscht HINhören, was du zu berichten hast; die gleichsam jedoch hören (… das passiert dann ziemlich, ziemlich innen..) was „der andere“ wohl sagen würde… jetzt, in dem Moment, wo er erzählen dürfte…

Weißt du, Liebes, ich wünsche dir einen echten und wohlwollenden Freund an deiner Seite. Einen, der verstanden hat, dass weiteres Benzin keine Brände löscht. Einen, der andere Chancen ergreift Dir zu helfen, als noch mehr und noch mehr und noch mehr Salz in deine Wunde zu schütten. Ich wünsche dir einen Freund, der dich fragt: „Liebst du ihn/ sie?“. Und der deine Antwort abwarten kann…. um dann vielleicht erstmal nichts weiter als „siehst du…“ zu sagen. Ich wünsche dir einen Freund, der seine Geschichte von deiner trennen kann. Für den nicht alle Männer Arschlöcher sind, nur weil er EINE Arschloch-Geschichte erlebt hat. Für den nicht alle Frauen Betrügerinnen der Welt sind, nur weil er selbst EINE Frau kennt, die ihn ggf. mehr als grottig schlecht betrogen hat. Ich wünsche dir einen Freund, Liebes. Eigentlich einen, der nichts weiter tut, als sich auch dann ehrlich mit DIR und FÜR DICH freuen zu können, wenn ihm selbst auch grad der Boden brach. Ich wünsche dir einen Freund, der deine Perspektive ändern möchte, in dem er fragt: „kann es vielleicht auch sein, dass er/ sie so reagiert hat, weil….“ – und dann kommt eine Option für dich. Eine, die dich weiterbringt. Die dich neu überlegen lässt. Die Dir Hoffnung gibt. Die dich aufrichtet. Die dich noch einmal das Gespräch suchen lässt…

Ich wünsche dir einen Freund, Liebes, der es GUT mit dir meint. Und dem dein Glück eigenes Glück beschert. Und ja, wenn es kein Freund ist… dann eben eine Freundin. Das geht auch.

Hier darfst du, Liebes... (auch die Gedanken sind... FREI!)

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