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Beziehungen sind komplizierter geworden. Vielleicht auch, da Chats heute das neue Reden sind. Diskutiert wird Stunde um Stunde, ohne Augenkontakt, ohne die Nuancen der Stimme, ohne die kleinen Gesten und Zeichen des anderen, die sofort so vieles mildern könnten. Gekämpft wird weiterhin, klar. Leidenschaftlich und so voller Mut und Enthusiasmus, meistens dann, wenn ein persönlicher Vorteil daraus entspringen könnte. Der erste Schritt wird hinausgezögert, bis es zu spät ist. Und Gefühle? Gefühle werden über Facebook-Posts oder den entsprechenden Whatsapp-Status ausgesprochen. Natürlich immer am DU orientiert. „DU sollst LESEN, was DU mir hier gerade antust!“. „DU sollst LESEN, wie schlecht es mir geht, nur wegen DIR!“. „DU sollst mitkriegen, wie grandios ich mich doch amüsiere, obwohl DU mir gerade das Herz zertrampelst!“. Und vor lauter Spielchen und Spielchen, vor lauter „Ich grabe dir eine Grube in meiner Sandkiste, DU Arsch!“ – fallen wir immer nur wieder selbst kopfüber in genau diese Gruben hinein.

Eine Generation, die sich so unsicher ist über die eigenen Gefühle. Verwirrt, weil man so oft einfach gar nichts mehr anfangen kann, mit all diesen Andeutungen und Spielchen. Verliebt in einen anderen Menschen, aber gebremst von seinem Verhalten. Und so oft GLAUBEN wir dann sogar mal, ja. An etwas, an jemanden, an die Liebe, das Leben, und dann und wann sogar an uns. Aber eben nie genug, um den entscheidenden Schritt zu machen. Wir wissen, dass Menschen lügen können. Auch, oder gerade dann, wenn sie erobern wollen.

Wir wollen endlich ankommen – ganz bestimmt haben diese Worte Substanz. Aber in einer Welt von Durchreisenden ist ein Zuhause nur noch sehr schwer zu finden.

Es ist die Klarheit, die so oft fehlt.

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