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Wenn ein Mann vor dir steht, einer, der die Grenzen seiner Gefängnisse gesprengt und innere Freiheit gekostet hat, einer, der von Lebensschmerz und Leid geöffnet wurde, wirst du wissen, wie neu und anders das ist. 

Er wird nicht beim ersten Gegenwind weichen, wenn er sich ehrlich zu dir hingezogen fühlt. Auch dann nicht, wenn sich Angst, Spuren von Scham oder verletzte Anteile zeigen. Er wird nicht weichen, und zwar nicht, weil er ein überirdisches Wesen, sondern weil er zutiefst menschlich ist. Er wird da sein, erschüttert vielleicht, und dennoch aufrecht und von Anmut umgeben. 

Er sieht Beziehungen als spirituelle Lernfelder, und spürt, wo es geborgen ist und stimmig. Er wird bleiben, so lange und so weit es beiden dient, weil er immer klarer die Zusammenhänge sieht und hinter Masken zu blicken vermag. Er weiss um das Spiel des Lebens in all seinen Facetten und ist neugierig genug, mit dir neue Wege zu gehen und Tiefen zu erkunden. 

Und wenn er sich zurückzieht, dieser Mann, der seine männlichen und weiblichen Anteile zu einem berührend schönen Wesen vereint, dann ist es nicht, weil er dich verletzen will, sondern weil er spürt, dass es den Wind des Wandels braucht und Zeiten der Stille. 

Wenn ein Mann vor dir steht, einer der mit seiner inneren Stimme verbunden ist, wirst du wissen, wirklich wissen, wonach du dich all die Jahre gesehnt haben magst. Denn mit ihm erlebst du, was es heisst, aus Liebe zu dir und dem, was dich umgibt, zu denken, fühlen und handeln. Er zeigt dir männliche Stärke und eine Sanftheit, die Grenzen überwindet; eine Energie, die dein Innerstes erreicht, weil du bereit bist, dich dort berühren zu lassen. Er lebt eine geerdete Sexualität, die erfüllt ist von Sinnlichkeit und genährt wird von seinem offenen Herzen, von grosser Nähe und innerer Freiheit. 

Er sieht dich, weil er bereit war, sich selbst zu erkennen. Er hört dich, weil er lange Zeit damit verbracht hat, seinem Lärm und der Stille darunter zu lauschen. Er fühlt dich, weil er sich selbst fühlen kann. 

Er ist da und bittet dich still darum, diesen gemeinsamen Raum mit ebensolcher Achtsamkeit zu betreten, damit eine Begegnung möglich ist, die vielleicht nur als heilig bezeichnet werden kann. 

Eine Begegnung, deren Boden Würde und deren Himmel eine Kraft ist, die vielleicht Liebe genannt werden kann.

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(Béatrice Tanner)