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Ich mag den Begriff „Scheidungskind“ nicht. Diese überzeugte Feststellung möchte ich dem nun folgenden Artikel voranstellen. Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst ein so allgemeingültig benanntes Kind bin und im Laufe meines Lebens das eine und sicher auch andere „Hobby-anamnestisch glasklar wissende und gleichsam allumfassend verstehende „Aha“ dafür ernten durfte. (…. künstlich langgezogene, emphatische Muss-Pause folgte inklusive und stets, oh sicher…). Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich keine Schubladen mag, die ab einem gewissen Lebensalter nur noch gequält vor sich hin ächzen. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass mich manche Begrifflichkeiten einfach zu sehr an Stempel erinnern, die man – egal wie weit entfernt man sich auch befinden mag, von dieser Klischee-bedienenden Lebenstinte – einfach nie wieder abgewischt bekommt. Verwenden werde ich ihn trotzdem, den geliebten Begriff, aus dem einfachen Grund, weil ihn nahezu jeder kennt. Ich bin außerdem „Einzelkind“ – sagte ich das schon? Und einen „Tierheimhund“ habe ich auch, ohne die Liste der „Aha- Infos“ nun endlos fortsetzen zu wollen. 

Auf den Knall folgt er nicht immer – der Fall. 

Und dann, wenn sie endgültig eingebrochen ist, die so maßgeblich „heile Welt“ eines Kindes, das plötzlich oder eben auch unplötzlich-schleichend zum Trennungskind mutiert ist – spätestens dann sind es die (über-)lebensnotwendigen Brücken der Eltern, die eigenhändig von ihnen gebaut werden müssen, um sicher zu retten, was übrig bleiben soll. „Natürlich soll es das!“ – werden viele Getrennte an dieser Stelle vehement denken oder gar entrüstet ausstoßen. Na klar doch. Es beißt sich jedoch trotzdem viel zu oft. Das, was man doch so denkt und „eigentlich auch will“, und das, was man schlussendlich tut. Um das Wort „verzapfen“ an dieser Stelle zu vermeiden, wenn man sich mal genau betrachtet, wie glorreich getrennte Eltern eben genau das Gegenteil von dem tun, was für ihre „getrennten Kinder“ die sichere Brücke bedeuten würde.

„Brücken bauen“ in unserem Zustand?“ – diese Frage stellen sich vielleicht vor allem die Eltern laut, denen es eben nicht als das „einfachste der Welt“ erscheint, sich weiterhin – nach allem, was passiert ist – konstruktiv an den einst gemeinsamen Frühstückstisch zu setzen, und mit der „geexten Vergangenheit“ nun nach sinnvollen „Und wie geht es jetzt weiter- Lösungen“ zu suchen.

Nichts desto trotz… auch wenn restlos nichts mehr übrig geblieben ist, von dem einstigen Glanz einer gegebenenfalls größten Liebe….Getrennte Paare bleiben IMMER Eltern! Ob sie das wollen… oder nicht. 

Und um es noch viel klarer zu sagen:  

Scheidungskinder

Absprachen für Trennungseltern… (für die Pinnwand, den Kühlschrank oder als Basis-Papier für ein Gespräch, welches im Sinne der Kinder – hoffentlich zeitnah – vielleicht doch geführt wird…)

• Wir möchten unseren Kindern jetzt, nach unserer Trennung, auf jeden Fall weiterhin verlässliche Eltern bleiben, mit deren Fürsorge, Liebe, Geborgenheit und Schutz sie, egal, was passiert ist zwischen uns (…und ggf. noch passieren wird, wenn wir Finanzen, Haus und Hunde klären), jederzeit rechnen können. Das erfordert von uns beiden (!) Eltern echte Selbstdisziplin, Verlässlichkeit, Fairness, Planungsfähigkeit und vor allem eine zielgerichtete, gewünschte Anpassungsfähigkeit an die nun neue Situation (… so schwer sich das nun vielleicht auch erstmal fühlen mag.)

• Weil ich mich momentan psychisch (mental, körperlich und überhaupt) sehr angeschlagen fühle (… fürchterlich verletzt, wütend, fassungslos und/ oder gekränkt bin), werde ich mir ebenfalls zeitnah soziale Unterstützung von Außen suchen oder gar therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. So lange, bis ich mit der neuen Situation angemessen und (wieder) erwachsen umgehen kann (… was ich derzeit – es tut mir leid – einfach noch nicht kann, weil mir alles, restlos ALLES schmerzt und weh tut!).

• Wir werden nun sehr schnell eine verlässliche, für unsere Kinder durchschaubare,  transparente und damit verstehbare (!) Alltagsstruktur aufbauen, in der sich die Kinder sicher aufgehoben fühlen und zu jeder Zeit wissen, wie sich die Situation (sprich: der nun neue Alltag mit zwei Eltern an (wahrscheinlich) unterschiedlichen Lebens-Standorten) gestalten wird. Aktionen wie „die Kinder an der Hautür übergeben“, „die Kinder als Sprachrohr nutzen, um selbst nicht aktiv kommunizieren zu müssen“, „die Kinder als „akut erkrankt“ entschuldigen, obwohl der Ausflug mit Papa so sicher und freudig erwartet geplant war (bei dem ich jedoch nicht eingeplant wurde!)“ – etc., etc., etc. (die Liste kann hier von betroffenen Eltern gerne ergänzt werden) – unterlassen wir!

• Wir werden uns vor unseren Kindern sicherlich nicht übertrieben, gekünstelt, aufgesetzt oder nahezu zwanghaft harmonisch zeigen. Zum einen sind wir keine guten Schauspieler, zum anderen würden sich unsere klugen, fühlenden, mit so tollen „Antennen“ ausgestatteten Kinder sofort fragen, warum wir uns eigentlich getrennt haben, wenn es doch immer noch so super läuft zwischen uns!? Trotzdem werden wir offenen Streit und gegenseitige Beschimpfungen vor den Kindern auf jeden Fall unterlassen! Wenn wir streiten müssen, werden wir dafür einen Ort aufsuchen, an dem wir ungestört (und ungehört!) brüllen, weinen, schweigen und/ oder drohen können. Das Gleiche gilt für ironische oder gar sarkastische Ausbrüche.

• Wir werden unsere Kinder nicht, nur weil wir uns getrennt haben, aus nun völlig falsch verstandenem Schuldgefühl heraus über alle Maßen verwöhnen, verhätscheln, vertätscheln, alle bisherigen Grenzen aufheben und unsere einst doch eigentlich sehr gelungene Erziehung über Bord werfen. So ein Verhalten kannten sie bisher nicht und es würde ihnen damit auch nur sehr kurzfristig eine scheinbare Sicherheit versprochen (… wenn überhaupt). Wir werden unsere Kinder, gerade WEIL wir uns nun getrennt haben, weiterhin konsequent und verantwortlich für sich und das Leben, das auf sie wartet, erziehen. Unsere Kinder bleiben weiterhin Kinder und werden nun nicht auf einmal zu „Gesprächspartnern“, nur weil wir uns getrennt haben. Wir besprechen unsere Erziehungsziele und -absichten weiterhin als Eltern miteinander.

• Unser Blick wird nun in die Zukunft gerichtet sein und nicht über alle Maßen, zu jedem nur denkbaren Zeitpunkt an unserem geexten Lebensabschnitt hängen bleiben. Dies ist in Hinsicht auf unsere eigene Beziehungsfähigkeit (und das nächste Beziehungsglück!) genauso wichtig wie für die spätere Beziehungsfähigkeit unserer Kinder. Wir werden unseren Kindern keine Detailgeschichten über den jeweils „schlechten Charakter des anderen“ erzählen, noch versuchen, ihr/ ihm jegliches gute Haar gewaltsam auszureissen.

• Es könnte rein theoretisch sein, dass wir wegen einer anderen Frau/ einem anderen Mann verlassen wurden. Und noch rein theoretischer haben wir überhaupt nichts, nichts und natürlich absolut gar nichts dazu beigetragen, dass uns dieses Drama passiert ist – klar NICHT, was eine Frage -. Nichts desto trotz können unsere Kinder nichts dafür, dass die Wege der Liebe so unergründlich sind. Und unseren Kindern wird nicht damit geholfen sein, dass sie nun das von uns hören, wofür sie selbst Hausarrest bekämen, würden sie solche Schimpfworte in den Mund nehmen. Wir versprechen uns, dass wir uns vor unseren Kindern nun ganz sicher nicht restlos blamieren werden, bevor wir das Gesicht komplett verlieren, in dem wir nun abenteuerliche Betitelungen, böse Schimpfwörter oder offensichtliche Boykottmaßnahmen hinsichtlich des „neuen Glücks“ in die Kinderzimmer streuen. Vor unseren Kindern steht ein Mensch! (… und legten wir auf diese sozial-kompetente Festmachung nicht immer so besonderen Wert in der bisherigen Erziehung?) – auch wenn es sich hier nun um einen „unser Leben beeinträchtigenden Menschen“ handelt, den wir sicherlich niemals lieben werden.

• Weil wir wissen, dass es der wichtigste, wichtigste Schutzfaktor für unsere Kinder ist – die sich momentan traurig, verunsichert und „zerrissen“ fühlen (und schlimmstenfalls sogar denken, dass SIE Schuld haben an allem!) – werden wir als Eltern trotz unserer Trennung kooperativ miteinander umgehen und unseren Kindern das sichere Gefühl geben, weiterhin GEMEINSAM für sie da zu sein.

(Los)Lösungen schaffen – 

Gerne dürfen Sie mich kontaktieren, wenn Sie im Rahmen Ihres Trennungsprozesses das Gefühl haben, Unterstützung und Hilfestellung für sich und/ oder Ihre Kinder zu benötigen. Den eigenen Gesprächsbedarf erkennen – zunächst ganz losgelöst von den Intentionen der Expartnerin/ des Expartners – ist der erste Schritt hinsichtlich einer konstruktiven Loslösung, Umstrukturierung und Neuorientierung – auch, oder: „vor allem auch“ im Sinne der gemeinsamen Kinder.

Wut ist heilbar. Ähnlich heilbar wie Schmerz, Trauer, resignierte Sprachlosigkeit und diesem so eindrücklich zermürbenden Gefühl „unterzugehen“, wenn es nicht bald besser wird.

Herzliche Grüße,
Sandra Reinheimer