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Enttäuschung und Freundschaft – zwei Begriffe, die immer wieder in unmittelbarstem Zusammenhang stehen – ganz egal, wo wir auch hinhören. Seit dem Facebook- Zeitalter erleben wir es zudem hautnah. Die sog. „Freundesliste“, der für viele doch sehr „klare Indikator“ dafür, in welcher Beziehung Menschen zueinander stehen. Oder auch nicht :-) Und in diesem Kontext der heutigen „sozialen Netzwerke“ lesen wir nahezu jeden Tag in diversen Posts oder gleich ganzen Threads, dass sich „gefühlte Freunde“ auf einmal doch als etwas ganz anderes entpuppten. Enttäuschung, Schmerz, Wut – all das wird dann zur Entladung von jeglichem Gefühl verschriftlicht – und zudem beginnt er zu rotieren, der oftmals dann so maßlos enttäuschte Kopf. Von dem schmerzenden Herz mal ganz abgesehen.

Ich bin (inzwischen) überzeugt davon, dass man einen wahren Freund nicht verlieren kann. Und ich glaube ebenso sicher, dass es lediglich unsere (jeder Geschichte vorausgehenden) „Definitionsfehler“ sind, die uns dann so mächtig zusetzen, wenn eine (scheinbare) Freundschaft zerbricht.

„Definitionsfehler? Was soll das denn sein?“ Nun, ich denke, dass man zunächst erst einmal ganz genau hinsehen sollte – nachdem jemand „entschwunden“ ist – ob man auch wirklich sicher ist, dass da ein Freund ging? Oder ob es nicht viel eher ein „Phasen- Gefährte“ war, den wir aber – fälschlicher Weise – als Freund definierten?

Für mich ist es ein großer Unterschied, ob ich einen „Phasen- Gefährten“ verabschiede (oder von einem solchen verabschiedet werde) oder ob es sich um einen Freund handelt. Ein maßgeblichster Unterschied, denn – wie gerade bereits gesagt:

Einen wahren Freund kann man nicht verlieren.

Und würde es sich damit nicht schon gleich ganz anders fühlen? Käme es dann nicht viel eher einer logischen Konsequenz gleich – eben weil etwas nicht wirklich gepasst hat, auch wenn man eine „Phasen-Konstellation“ zunächst als „passend“ interpretierte?

So. Und was macht denn nun eine „wahre Freundschaft“ aus? Was heißt denn genau „wahr“ und woran kann ich dieses „wahr“ überhaupt erkennen? Sicherlich gibt es viele Antworten darauf und jeder hat da wohl auch seine ganz eigenen Antworten parat, weil jeder Freundschaft eben anders definiert.

Für mich gibt es sehr klare Merkmale. Wenn mich also jemand fragen würde, was für mich „wahre Freundschaft“ ausmacht, dann würde ich wohl antworten:

  • Ich weiß, dass ich einer wahren Freundin restlos alles erzählen, und über wirklich alles mit ihr reden kann. Ob ich das tatsächlich mache, ist dabei überhaupt nicht wichtig. Es geht lediglich darum, dass ich sicher fühle: „Ja, ich könnte es, wenn ich wollte“.
  • Ich habe die tiefe Gewissheit, dass sämtliche (an)vertraute Informationen niemals weitergetragen werden. Weder in guten Zeiten, noch (oder vor allem!) in den weniger guten.
  • Ein wahrer Freund bzw. eine wahre Freundin erzählt niemals Schlechtes über mich.
  • Eine wahre Freundin würde ebenfalls nicht zulassen, dass in meiner Abwesenheit schlecht über mich gesprochen wird. Sie würde mich auch verteidigen, selbst (!) wenn sie mit manchen „externen Aussagen“ gefühlt vielleicht sogar konform ginge. Im Nachgang würde sie mir zudem erzählen, dass ich ein „gescheitertes Gesprächsthema“ war.
  • Wahre Freunde können miteinander streiten! Dabei wird jedoch darauf geachtet, dass der andere nicht (vorsätzlich!) verletzt wird.
  • Kritik und offene Worte werden toleriert und sind sogar erwünscht! Das Wissen, hier ist ein Mensch, der mir ganz klar sagen darf was ihm auffällt und auch missfällt an mir, ist ein Kriterium für wahre Freundschaft. Meine innere Bereitschaft ist dann auch vorhanden, mir diese Worte anzuhören und darüber nachzudenken, weil ich sicher weiß: „Das Gesagte zielt nicht darauf ab mich kränken zu wollen!“
  • Das Verzeihen können gehört ebenso dazu.
  • Im Zusammensein mit einem echten Freund kann man sich zu jedem Zeitpunkt so geben, wie man wirklich ist. Man braucht sich nicht verstellen oder sich von einer „besten Seite“ zeigen. Authentizität – das ist sicher das Schlüsselwort.
  • In einer wahren Freundschaft weiß man vom anderen, wie er denkt bzw. wie er sich fühlt. Manchmal kann man die Gedanken des anderen erraten, auch wenn er sie gar nicht ausspricht.
  • Man genießt das Miteinander und es ist einem wichtig qualitativ Zeit miteinander zu verbringen. Das heißt aber nicht, dass man ständig zusammen sein und dauernd gemeinsame Unternehmungen planen muss.
  • Wahre Freunde sind auch – und vor allem (!) – in Zeiten da, wenn es mal nicht so gut läuft. Sie bauen einen auf, sie motivieren und unterstützen. Ein wahrer Freund glaubt an dich.
  • Eine wahre Freundin darf man nachts um 3 Uhr anrufen, wenn es „brennt“.

Gut, das sind mal meine Antworten auf die Frage, was eine wahre Freundschaft für mich ausmacht. Eine Freundschaft entsteht nicht von heute auf morgen. Sie entwickelt sich, und das braucht Zeit. Am allerwichtigsten finde ich, dass man Freundschaften pflegt. Und jeder kann dahingehend doch recht sicher unterscheiden und einschätzen, welche Menschen anrufen und nachfragen, ob man Zeit mit ihnen verbringen möchte, und welche Menschen lediglich lustige Beiträge im großen Becken Facebook liken, weil sie grad mit dem Handy auf dem Klo oder beim Frisör sitzen und in diesen Minuten eben nichts vergleichbar besseres zu tun haben.

Es geht auch nicht darum, möglichst viele Freunde zu haben, auch wenn dieser „Status“ für viele Menschen weiterhin „das Maß aller Dinge“ zu sein scheint. „Wahre Freunde“, so denke ich, kann man an einer Hand abzählen. Vielleicht denkt man da als jüngerer Mensch auch einfach anders. In Jugendjahren war es für mich auch wichtig, möglichst viele Freunde zu haben. Aber da wären meine Antworten auf die Frage nach wahrer Freundschaft wohl auch noch anders ausgefallen :-)

Ich wünschen dir wertvolle Freundschaften. Alles andere brauchst du nicht.